Die Österreich-Ungarische Nordpolexpedition 1872-1874

 

Am 13. Juni 1872 machte sich eine österreichisch-ungarische Polarexpedition unter dem Kommando von Kapitän Carl Weyprecht (in Österreich heute stets Karl Weyprecht), Expeditionsleiter Julius von Payer, 19 Mann Besatzung und acht Schlittenhunden nebst Polarausrüstung auf den Weg ins Nordpolarmeer. Der Fahrt ging über Tromsø in Norwegen, wo der Eismeister Kapitän Elling Olaf Carlson an Bord genommen wurde.

Weyprechts Anlass, mit dem eisgängigen Segler „Admiral Tegetthoff“ von Bremerhaven in die Barentssee (Arkis) zu fahren, war ein folgenschwerer Irrtum. Nach einer Vorerkundung des Jahres 1871 war Weyprecht zu der Ansicht gekommen, ein offenes - also zeitweise eisfreies - Polarmeer existiere, über das man am Nordpol vorbei nach Japan fahren könne. Das Schiff, mit dem die Expeditionstruppe ihre Reise in diese lebensfeindliche Zone startete, war ein eigens nach Weyprechts Plänen gebauter Segler mit Hilfsantrieb, der in der Lage war, sowohl zu segeln als auch mit einer Dampfmaschine zu manövrieren.

Das Schiff wurde im Winter oft von den extremen Temperaturen heimgesucht und von den herannahenden Eismassen an der Weiterfahrt gehindert. Die Mannschaft versuchte vergeblich, das Schiff wieder freizulegen. Als das Meer im polaren Sommer wieder teilweise geschmolzen war, bemerkte der Käpitän, dass sich im Winter eine gewaltige Eisscholle unter das Schiff geschoben hatte. So trieb die „Admiral Tegetthoff“ den gesamten Polarsommer nach Norden. Dabei stießen die Expeditionsteilnehmer 1873 auf einen Archipel, den sie nach Kaiser Franz Joseph I. „Franz-Josephs-Land“ nannten.

Die enormen Leistungen und Entbehrungen der 24 beteiligten Seeleute aus Istrien, Dalmatien, Italien, Ungarn, Böhmen und Österreich sollten jedoch noch nicht ihr Ende haben. Einen weiteren Winter noch mussten die Expeditionsteilnehmer im Eis festsitzen. In dieser Zeit beschloss der mitgefahrene Geograph von Payer, eine zusätzliche Schlittenexpedition in den Norden zu unternehmen, um den 82. nördlichen Breitengrad zu erreichen. Dies gelang ihm auch, und so waren er und seine Männer weiter in den Norden vorgedrungen als je ein Mensch zuvor.

Als der nächste Polarsommer das Eis wieder zum Schmelzen brachte, waren sie gezwungen, ihre Rückreise zum Schiff anzutreten, um nicht auf den Inseln verharren zu müssen. Mit sehr viel Glück gelang ihnen dies. Als der Kapitän die Vorräte knapp werden sah, und sie den nächsten Winter nicht überstehen konnten, beschloss er, das Schiff aufzugeben und die gefährliche Rückreise über das unberechenbare Schollenfeld anzutreten. Im Mai 1874 verließen sie die „Admiral Tegetthoff“. Die Beiboote wurden mit den restlichen Vorräten beladen und die beschwerliche Reise zu Fuß auf nach Süden zur Eiskante angetreten. Dieses Vorhaben war sehr riskant, da nie zuvor eine Polarexpedition zu Fuß dem ewigen Eis entkommen war. Maschinist Otto Krisch starb während der Expedition am 16. März 1874 an Lungentuberkulose und wurde an der Küste einer der Wilczek-Inseln beigesetzt.

Die Geschichte der letzten großen Landentdeckung auf der Erde ist auch die Geschichte des zu seiner Zeit modernsten Expeditionsschiffes, der „Admiral Tegetthoff“. Der Mannschaft war das Schiff fast drei Jahre lang Heimat. Vom Eis gefangen, driftete die „Tegetthoff“ nach Norden, weiter als je zuvor ein Mensch gekommen war.

Die Entscheidung des Kapitäns, das vom Eis gefangene Schiff zu verlassen und zu Fuß den Marsch über das Packeis zurück nach Sibirien anzutreten, führte zu einer der spektakulärsten Mannschaftsleistungen der internationalen Polargeschichte. Über drei Monate waren die Männer unterwegs, bis sie am 24. August 1874 vor der sibirischen Küste vom russischen Fischereischoner Nikolaj in einer Bucht der Insel Nowaja Semlja an Bord genommen und gegen Bezahlung sobald als möglich nach Vardø nahe dem Nordkap verbracht wurden (3. September 1874). Von dort konnte die Reise zwei Tage später mit dem Vollschiff Finnmarken nach Hamburg angetreten werden.

Quelle: Wickipedia

 

 

 

Die Tegetthoff bei den Barents Inseln vom Eise besetzt. Phot. Wilhelm Burger um 1872
Serie "Nordpolexpedition von Graf Wilczek" Pilotes de l'ile Varandei. Phot.Wilhelm Burger um 1872
Serie "Nordpolexpedition von Graf Wilczek" a bord de l'Isbjören Phot. Wilhelm Burger um 1872
Serie "Nordpolexpedition von Graf Wilczek" Le capitain Kyelsen. Phot. Wilhelm Burger um 1872
Serie "Nordpolexpedition von Graf Wilczek" Le Tegetthoff entouré de glaces prés les iles a la nouvelle zemble Phot. Wilhelm Burger um 1872
Serie "Nordpolexpedition von Graf Wilczek" le Tegetthoff au milieu des glaces á minuit á´la nouvelle zemble Phot. Wilhelm Burger um 1872

Serie "Nordpolexpedition von Graf Wilczek" L'Isbjörn dans les glaces. Minuit en août á la nouvelle zembla. Phot. Wilhelm Burger um 1872

Serie "Nordpolexpedition von Graf Wilczek" le matotschkin scharr á la nouvelle zembla. Vue prise á minuit. Phot. Wilhelm Burger um 1872

 

 

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