Geheimnisvolle Daguerreotypien

 

 

Diese beiden Daguerreotypien beinhalten sind sehr ungewöhnlich.
Was bedeutet das kleine Bild einer Landschaft in der rechten unteren Ecke? Im Biedermeier signierten Maler ihre Stilleben mit zufällig platzierten Käfern oder Schmetterlingen, ist es eine Signatur des Daguerreotypisten? Ist es vielleicht das Anwesen der Abgebildeten? Es dürfte sich um ein größeres Anwesen handeln. Vielleicht eine Fabrik denn im Vordergrund ist eine Brücke oder Wehr oder aber auch eine Wasserrinne zum Betrieb eines Wasserrades zu sehen. Es kann auch sein daß im Vordergrund ein Bach oder Fluß fließt. Beide Daguerreotypien stammen von unterschiedlichen Besitzern und verschiedenen Regionen (Wien und Oberösterreich ca. 200km.) und kamen durch Zufall zusammen. Für das rechte Bild habe ich keine Kopierrechte darum ist es gepixelt.
Sind die Abgebildeten miteinander verwandt? Der junge Mann (Friedrich) wurde im März 1847 photographiert. Da war er 18 Jahre und 6 Monate alt. Die junge Frau ist ungefähr 20 Jahre und trägt auf der linken Hand einen (Ehe-?)ring. Am Bild ist es die rechte Hand weil spiegelverkehrt. Der junge Mann trägt keinen. Interessant ist auch daß das kleine Landschaftsbild rechts unten auf beiden Daguerreotypien fast den selben Neigungswinkel hat obwohl die Aufnahmen wahrscheinlich nicht am gleichen Tag angefertigt wurden. Während sich der junge Mann mit seinem rechten Arm auf einem Holzbrett abstützt ist auf dem Bild der jungen Frau dieses mit Stoff drapiert. Eigenartig ist auch daß beide Personen nicht im Zentrum gerückt sind um dieses Landschaftsbild einbeziehen zu können. Das unterstreicht dessen offensichtliche Bedeutsamkeit.
Es stellt sich auch folgende Frage: Welche Montierung ist Original?
Die Rahmung des jungen Mannes
ist typisch für frühe Daguerreotypien. Da die Photos, ähnlich wie Miniaturen als deren Ersatz man sie auch sah, in kleine Holzrahmen gerahmt wurden war der Rand eher schmucklos. Obwohl das Photo längere Zeit ungeschützt d.h. ohne Glas aufbewahrt (Die Kratzer auf der Bildoberfläche sprechen dafür) und später wieder verglast und verklebt wurde spricht der rückseitig aufgeklebte Zettel für Originalpassepartout und die originalen Zierbordüren am Rand.
Die Rahmung der jungen Frau dürfte später erneuert worden sein. Dafür spricht daß die Oxydation (die bräunliche Verfärbung) meist am Rande des Passepartouts auftritt. Es dürfte ebenfalls ein ovales Passepartout gewesen sein und wenn man den äusseren Rand der Oxydation betrachtet sieht man daß es sich um fast genau den Bildausschnitt des zweiten Photos handelt. Auch sind die Bordüren für Daguerreotypien diese Zeit unüblich und wurden eher später meistens für Heiligenbilder verwendet. Zur Darstellung dieser These die Photomontage unten.

 

 

Zettel auf der Rückseite:
März 1847, Friedrich 18 J.(ahre) 6 Mt:(Monate).

So könnte das Bild gerahmt gewesen sein.

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